Was mich so bewegt



Als ich mich entschied, ganz und gar ich zu sein und endlich auch öffentlich anfing mich zu lieben

Endlich wieder authentisch – Willkommen ihr lieben Emotionen – endlich stehe ich zu euch, stehe ich zu mir!

Endlich dürft ihr raus! Reicht ja schon wenn Corona mich dazu zwingt daheim zu bleiben! Da kann ich ja wenigstens euch rauslassen.

Ja, was meine ich denn jetzt mit dieser "dramatischen Aussage"? Genau, "dramatisch" – ein toller Aufhänger, um das zu erklären.

Seit ich denken kann, also von winzig-kleine Biggi bis heute 51-jährige Frau, hörte/höre ich immer und immer wieder Sätze wie diese

"Ach, jetzt übertreibst du aber wieder!"

"Steiger dich doch da jetzt nicht so rein!"

"Du dramatisierst aber auch alles!"

"Nee, unsere Drama-Queen!"

"Nein, Birgit, das bildest du dir nur ein!"

"Mensch, jetzt spinn' doch nichts – was du da wieder fantasierst!"

"WAS willst du machen, Birgit? Du willst Sängerin/Schauspielerin/Angestellte im Büro/YouTuberin/Influencerin/Medium (oder tausend andere Dinge) werden? Nee, Birgit, das kannst du nicht, DU doch nicht!"

"Mensch, überleg doch erstmal bevor du den Mund aufmachst!"

"Birgit! Das kannst du doch nicht machen!"

"Birgit! Das kannst du doch nicht sagen!"

"Musst du immer alles so klar ansprechen und ausdrücken?"

"Hör auf, Birgit, das sind Spinnereien!"

"Sei doch nicht so empfindlich!"

"Was du auch wieder alles siehst! Wie kommst du nur auf so etwas?"

"Wie jetzt, du fühlst das? Das gibt es doch überhaupt nicht!"

 

Und genauso schlimm, demütigend und erniedrigend wie ich die ausgesprochenen Sätze empfand, genauso erging es mir mit den Menschen, die gar nichts sagten. Die mich nur anguckten und mir mit ihren Blicken das Gefühl der Minderwertigkeit, der Bemitleidenswertigkeit gaben.

 

Vor Jahren stellte ich dann fest, dass das was ich bin, einen Namen hat. Ich bin ein hoch-sensibler, hell-fühlender, hoch-empathischer, tiefgründiger, überaus kreativer, hoch-emotionaler, schnell denkender MENSCH, der in der Lage ist, viel mehr vor Glück übersprudeln zu können und wesentlich tiefer trauern zu können als der Norm-Mensch unserer Gesellschaft.

 

Aber jetzt glaubt mal nicht, dass diese Feststellung schon der Zeitpunkt der Befreiung war. Nö. Der kam erst viele Jahre später. Nämlich dann, als mir ein sehr nahestehender Mensch, den ich liebe und schätze, zuhörte, als ich völlig aus der mir selbstauferlegten "ich-muss-immer-gut-sein"-Starre ausbrach und laut rausschrie, wie es mir wirklich geht. Nein, es war nicht Roman, mein allerliebster Ehemann. Der versteht, liebt und nimmt mich genauso wie ich bin seit dem ersten Tag unserer Begegnung. Es war jemand anders. Dieser Mensch liess mich meinen ich-weiss-nicht-wie-lange-andauernden Ausbruch (laut, schrill, hysterisch, aggressiv, wütend) ausleben, ohne mich zu unterbrechen. Und als ich fertig war, sagte ich: "Boah, tat das jetzt gut! Danke!". Der Mensch sagte: "Das hast du jetzt gebraucht. Und es war gut. Jetzt warst du authentisch wie ich dich schon lange nicht mehr erlebt habe. SO darfst du weiterhin sein. Nur so bist du echt." Meine Güte!! Wie gut ich mich fühlte, aller Druck, der seit Jahren, seit vielen, vielen Jahren auf mir lastete, war weg! Einfach weg! Es war keine Wut mehr da, einfach nur Erleichterung! Und dafür bin ich diesem Menschen bis an mein Ende dankbar. Ja, fragt ihr euch sicher, wer war das denn jetzt? Ich verstehe eure Neugier. Dennoch werde ich sie auf dieser Plattform nicht befriedigen. Fragt mich doch persönlich - eye-to-eye.

 

Also entschloss ich mich, ab sofort volle Pulle ich zu sein. Ungefiltert! Rein, echt und ehrlich – zu mir und meiner Umwelt. UND: Genau das auch zu leben! Mich selbst zu leben, mich zu feiern, mich so richtig offiziell zu lieben und das auch nach Aussen zu zeigen. Nicht nur meine guten Seiten (also die Seiten, die IHR gut findet), sondern auch meine dunklen Seiten. Mich gefühlvoll und emotional zu zeigen und mich nicht dafür zu schämen. Völlig verrückt zu tanzen, zu singen, zu lachen mitten in der Öffentlichkeit (wenn mir danach ist). Und mich nicht dafür zu schämen. Meine eigene Meinung auszusprechen – auch auf die Gefahr hin, dass mein Gegenüber mich nicht mehr liebhat. Ich will nicht mehr alles tun oder nicht tun, nur damit mich die Welt liebhat und der Meinung ist, dass "die Birgit 'ne Gute ist". Denn schlussendlich, entscheidet einzig mein Gegenüber, was es von mir hält. Und wenn es entscheidet mich doof, peinlich, dumm, unkontrolliert oder sonst etwas zu finden – dann darf es das! Na klar! Dann darf mir das mein Gegenüber aber auch klar mitteilen – und - falls gewünscht - sich aus meinem Atmungsbereich entfernen.

 

Als ich mich entschloss, Facebook (ich war von 2007 bis vor ein paar Jahren schon mal bei Faci) wieder beizutreten und dies nur deshalb, weil ich einerseits über mein persönliches Befinden bzgl. Corona-Krise berichten und andererseits eine Faci-Seite für Online Beratung für meine Best Help Beratung aufschalten möchte, kamen schon wieder diese kleinen, frechen Biester aus meinem Inneren Team (Das Innere Team ist ein Persönlichkeitsmodell des Hamburger Psychologen Friedemann Schulz von Thun.) und flüsterten mir zu: "Oh, Birgit, das ist aber jetzt unglaublich emotional, wie du dich da wieder ausdrückst. Ob das richtig ist, Birgit? Du bist viieel zu offen! Wenn dir daraus nicht mal ein Strick gedreht wird! Willst du das wirklich so machen? Ob dich dann der eine oder andere noch liebhat?"

Hmmmm…. hab ich mir gedacht, … ist ja spannend. Aber wisst ihr was? Haltet die Klappe. Ich bin ich. Pur. Ungeschminkt. Volle Ladung. Ich liebe mich genau dafür. Denn es gibt viel zu wenige Menschen, die so viel Offenheit bieten. Und ich bin mir sicher, dass es einigen Menschen da draussen guttun wird, dass sich jemand so frei und offen zeigt. Dem Rest gönne ich es, sich darüber zu mokieren und sich so auch besser zu fühlen.

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